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Das Zeltlager der Zürcher Occupy-Bewegung in der Altstadt wurde geräumt. Nun wollen die Aktivisten vor der reformierten Stadtkirche St. Jakob campieren. Die reformierte Kirchgemeinde Aussersihl gewährt ihnen auf Privatgrund 'Asyl'.
Kirchenpflege und Pfarrschaft der evang. ref. Kirchgemeinde Zürich Aussersihl anerkennen die Protestbewegung Occupy Paradeplatz als Teil einer globalen Bewegung, die für die Grundwerte Menschenwürde, Gerechtigkeit, Frieden und Demokratie einstehen. Der gewaltfreie zivile Ungehorsam dieser Bewegung richtet sich nicht gegen den Rechtsstaat sondern beruft sich auf dessen Grundwerte.
„Suchet der Stadt Bestes“: Gemäss diesem Leitsatz sucht der offene st. jakob als City-Kirche den Austausch und die Auseinandersetzung mit den verschiedensten Gruppen, die sich mit religiösen, ethischen, gesellschaftlichen und politischen Fragen auseinander setzen. Sie will Menschen mit verschiedenstem sozialen, politischen und religiösen Hintergrund zusammenbringen, in der Überzeugung, dass im Dialog Vorurteile abgebaut werden und gegenseitiges Verständnis ermöglicht wird.
Die Kirchgemeinde Aussersihl nimmt mit ihrer Offenen Kirche das „prophetische Wächteramt der Landeskirche“ gem. Kirchenordnung ernst; sie erachtet es als ihre wichtige Aufgabe, „Ursachen von Unrecht und Leid zu benennen. Sie wirkt mit beim Suchen von Lösungen und stellt sich in den Dienst der Vermittlung.“ (Kirchenordnung 2009, Art. 65)
Diese Aufgaben der Offenen Kirche treffen sich mit den Zielen der occupy-Bewegung. Wir sehen in dieser Bewegung auch ein Vorbild für die Kirche, insofern jede einzelne Stimme ernst genommen wird, eine Kultur des Zuhörens und der gemeinsamen Beschlussfindung eingeübt wird.
Die Kirchgemeinde Aussersihl stellt der Bewegung Occupy Paradeplatz Vorplatz und Foyer der St.Jakobs Kirche und nach Absprache einzelne Räume des Kirchgemeindehauses als Ort der Begegnung und als Diskussionsforum zur Verfügung – so wie das andere Kirchen in den Grosstädten der Welt auch tun.
Heute Abend werden Vertreterinnen und Vertreter der Kirchgemeinde der Vollversammlung die Bedingungen unterbreiten, die bei der Benützung der Lokalitäten einzuhalten sind; dazu gehört in erster Linie, dass sich die Bewegung weiterhin an das Prinzip der Gewaltlosigkeit hält. Das Areal und seine unmittelbare Umgebung ist von den Mitgliedern der Bewegung selbständig so zu unterhalten, dass das gute Image der Bewegung und das der Kirchgemeinde in keiner Weise beeinträchtigt wird. Übernachten im Zelt stellt eine Übertretung einer kommunalen Vorschrift dar, die aber aus Sicht der Kirchgemeinde in Anbetracht des übergeordneten Anliegens, das die Bewegung damit zum Ausdruck bringen will, zu tolerieren ist.
Die Kirchgemeinde anerkennt den basisdemokratischen Charakter der Bewegung. Die Vertreter der Kirchgemeinde verhandeln mit Delegierten der Bewegung, die von der Vollversammlung bestimmt sind; die Beschlüsse haben erst Gültigkeit, wenn sie von der VV verabschiedet sind.
Mit den städtischen Behörden verhandelt die Bewegung selbständig und auf ihre Weise; wenn dies erwünscht ist, bietet die Kirchgemeinde ihre guten Dienste zur Vermittlung an.
Zürich Aussersihl den 15.11.11
Für die evang. Reformierte Kirchgemeinde Aussersihl
Pfarramt: Kirchenpflege
Pfr. Verena Mühlethaler , Pfr. Andreas Bruderer
Jutta Müller, Präsidentin, Hannes Lindenmeyer, Vizepräs.
Medienmitteilung der evang. Ref. Kirchgemeinde Aussersihl, 15. November 2011
Die Vollversammlung der Aktivisten stimmten den Bedingungen der Kirchgemeinde zu, meldete ref.ch am 16. November 2011.